Prora, Ortsteil von Binz, liegt an der beliebten Prorer Wiek zwischen Binz und dem Fährhafen Mukran.
Ganz in der Nähe von Prora können Sie die bekannten "Feuersteinfelder" in Richtung Mukran bestaunen.
Als Ortsteil von Binz präsentiert sich Prora im krassen Gegensatz zur verspielten Bäderarchitektur des Seebades. Der "Koloss von Prora" macht heute obgleich seiner Dimension erst einmal sprachlos.
Doch in einem vergleichweisen kleinen Teil der vier Kilometer langen Gebäudeanlage präsentiert sich heute ein kolossaler Museumsspass mit einer Vielzahl einzelner, teilweise auch wechselnde, rAusstellungen. Damit lohnt sich immer wieder ein besuch.
Museumsmeile Prora, das bedeutet, egal, ob man sich für die Geschichte und Architektur des Gebäude, bildende Kunst, spannend präsentierte Naturwissenschaften, DDR- und Militärgeschichte, Eisenbahn- und Verkehrstechnik oder die faszinierende Welt des Wassers interessiert, für jeden ist hier ungewöhnlich viel geboten.
In Prora steht das "längste Gebäude Deutschlands": die Reste eines gewaltigen, niemals vollendeten Seebades.
Der Architekt Clemens Klotz (1886-1969) aus München plante, eine Anlage mit acht jeweils 550 m langen Blöcken zu errichten, in denen die Urlauber untergebracht werden sollten. Alle Zimmer sollten zur Seeseite hin ausgerichtet sein. Weiterhin plante Klotz zwei Wellenschwimmbäder (die ersten in Europa), ein Theater, ein Kino und eine Festhalle mit 25.000 Plätzen. An einer Kaianlage sollten auch große Fahrgastschiffe einlaufen können. 1937 wurde der Gesamtentwurf der Anlage auf der Weltausstellung in Paris mit dem Architektur Grand Prix ausgezeichnet. Alle 10.000 Zweibettzimmer hatten Blick zum Meer, waren aber bei 5 mal 2,5 Metern mit zwei Betten, Sitzecke, Schrank und Handwaschbecken sehr einfach geplant. Toiletten und Gemeinschaftswaschräume waren in den Treppenh äusern. Ziel war der Strandurlaub für Jedermann.
In den drei Jahren zwischen 1936 und 1939 wurden sechs der acht Blöcke errichtet. Alle großen Baufirmen des Reiches waren an den Bauarbeiten beteiligt, zeitweise arbeiteten am KdF-Seebad Rügen bis zu 9.000 Bauarbeiter.
Mit Kriegsbeginn 1939 wurden die Bauarbeiten gestoppt. Sechs Wohnblöcke und das Theater waren zu diesem Zeitpunkt bereits im Rohbau fertiggestellt, nicht jedoch die Schwimmbäder und die Festhalle - sie wurden niemals verwirklicht. Noch während des Krieges wurde für durch den Bombenkrieg obdachlos gewordene Hamburger ein Teil des südlichen Abschnittes provisorisch bewohnbar gemacht. Bis Kriegsende diente Prora als Ausbildungsstätte für Luftwaffenhelferinnen.
Als ab Mai 1945 die Sowjetarmee die Kontrolle übernahm, wurde die Anlage zur Internierung von Grundbesitzern und zur Unterbringung von Heimatvetriebenen aus den Ostgebieten genutzt. Bis 1947 wurde für den Abtransport in die Sowjetunion demontiert. Zwischen 1948 und 1953 wurde der südlichste Rohbau gesprengt und abgetragen, bei den beiden nördlichsten gelang dies nicht. Die Bauten wurden zwar schwer beschädigt, blieben aber teilweise stehen.
Die 1948 eingezogenen sowjetisches Militärs übergaben Teile der Anlage der Kasernierten Volkspolizei, aus der 1956 die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR hervorging, die Anlage war Sperrgelände. Bis 1956 waren die wesentlichen Ausbauten zur Kasernenanlage abgeschlossen, insgesamt waren bis zu 10.000 Soldaten in Prora stationiert. Hier befand sich eine wichtige Unteroffiziersschule der NVA. Außerdem wurden hier Soldaten aus Befreiungsbewegungen der Entwicklungsländer ausgebildet.
Nach der Wende von 1989/90 übernahm die Bundeswehr das Gelände. Bis Ende 1992 verließ das Militär Prora, und seit Anfang 1993 ist die Anlage öffentlich zugänglich.
Seither untersteht die Anlage dem Bundesfinanzministerium und wird durch die Oberfinanzdirektion Rostock verwaltet. Der größte Teil der Prora-Anlage ist heute denkmalgeschützt.
1993 siedelte sich in Prora eine Jugendherberge an. Sie wurde mit jährlich 60.000 Übernachtungen die größte Europas. Die Jugendherberge schloß 1999, da idas Gebäude an einen Investor verkauft werden sollter.
Über die Jahre fanden in Prora und über Prora zahlreiche studentische Workshops statt. In den Sommern 1999 und 2000 trafen sich mehrere tausend Jugendliche aus dem In- und Ausland zu mehrwöchigen Musikbegegnungen in Prora.
Parallel dazu wuchsen in Prora Museen, Galerien und Kunstwerkstätten heran. Die "Museumsmeile Prora" bietet heute die größte Konzentration kultureller Angebote auf der Insel Rügen.
Seit über 10 Jahren versucht die Bundesvermögensverwaltung mangels eines nachhaltigen eigenen Nutzungskonzepts, die unter
Denkmalschutz stehende, etwa 5 km lange Anlage ganz oder in Teilen zu verkaufen. Die Bauten verfallen und sind dem Vandalismus preisgegeben außer jenen etwa 20 %, die durch Privatinitiative genutzt und erhalten werden.
Heute gibt es dort - in "Prora Mitte", also Block 3 und
dem Querbau mit Ruinen und der Kaianlage - die "Museumsmeile Prora" mit einem NS-KdF-Museum ("Museum Prora"), NVA-Museum, Rügen-Museum, Sonderausstellungen, Bildergalerie Rügenfreunde, Museum-Freundschaften, ein Wiener Kaffeehaus sowie das "One World Camp Youth Hostel" mit äußerst günstigen Übernachtungsmöglichkeiten.
Im August 2003 fand hier ein Wochenend-Sommerfest mit rund 15.000 internationalen Teilnehmern statt.
Kreise dieser Privatinitiativen entwickelten die Vision, die Blöcke 1, 2, 4 und 5 mit dem schon genutzten "Prora Mitte" nach und nach zu einem einzigartigen Jugendbegegnungszentrum für bis zu 30.000 Teilnehmer auszubauen.
Am 23. September 2004 wurde Block 6, der Ruinenteil der Anlage, für 625.000 Euro an einen unbekannten Ersteigerer veäußert.
Auf der einen Seite der Anlage stehen noch Ruinen. Es wurde nach dem Krieg von den Russen versucht, diese aus Stahlbeton gebauten Gebäude zu sprengen, aber es gelang nicht ganz und die Reste sind zu einer Touristenattraktion geworden.




