Herrn
Jochen-Konrad Fromme MdB
Deutscher Bundestag
Wilhelmstr. 60
11011 Berlin -Tiergarten
07. März 2005
Zum Beschluss des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages zur Veräußerung von Block 3 des ehem. KdF-Bades Prora auf Rügen – Der Prora-Skandal
Sehr geehrter Herr Fromme,
mein Name ist Solveig Lindow. Ich bin seit 1996 in der Museumsmeile Prora tätig und schreibe Ihnen als geschäftsführende Mehrheitsgesellschafterin der Logopro Ausstellungsgesellschaft mbH, welche unter anderem das Youth Hostel One World Camp aufgebaut hat und betreibt. Ferner bin ich als Managerin des Museum Prora (Museo Ausstellungs-Service GmbH, GF Herr Dr. J. Wernicke) tätig. Unsere Einrichtungen konnten in den letzten Jahren so erweitert werden, dass insgesamt 15 (11 + 4) Mitarbeiter bei uns beschäftigt sind.
Ich schreibe an Sie als Hauptberichterstatter Ihrer Fraktion:
Am 23. Februar 2005 hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages völlig unverständlich und trotz vieler berechtigter Einwände die Zustimmung zum Verkauf des Block 3 der Liegenschaft Prora, der heutigen Museumsmeile Prora, an die Inselbogen GmbH, GF Herr Kurt Meyer, gegeben.
Für uns völlig unverständlich und skandalös, weil:
Es wurde uns vom Bundeskanzleramt zugesichert, dass der Verkauf im Einvernehmen mit der Gemeinde Binz und dem Landkreis Rügen erfolgen sollte. Dies war nicht der Fall!
Die Liegenschaft Prora, speziell der Block 3, ist Bestandteil eines besonderen Baudenkmales. Der neue Eigentümer scheint dazu allerdings keinen Bezug zu haben, dies beweisen die Bau-maßnahmen der KulturKunststatt in den letzten Jahren.
Der Umgang mit der ehemaligen KdF-Anlage durch den Deutschen Bundestag besonders in diesem Jahr – 60 Jahre nach Kriegsende, steht nicht im Zeichen seiner Verantwortung für unsere Geschichte.
Die bestehenden Einrichtungen der Museumsmeile Prora, die ohne Nutzung öffentlicher Fördermittel aufgebaut wurden, werden zerstört, um andere Einrichtungen mit Nutzung von Fördergeldern in Millionenhöhe zu schaffen. Dies ist unserer Meinung nach rechtswidrig! Die Vorstellung des Konzeptes der Inselbogen GmbH durch Herrn Kurt Meyer im Radiosender „Antenne Mecklenburg-Vorpommern“ untermauert unsere Befürchtungen.
Bedauerlicherweise kann durch den Verkauf des Museumsgebäude von uns nicht eingeschätzt werden, ob und wieviele Mitarbeiter ab dem 01. April 2005 ihre Vollzeitbeschäftigung aufnehmen können, sowohl im Museum Prora als auch im One World Camp Prora..
Die Mitarbeiter des Museum Prora und des One World Camp Prora Youth Hostel haben mich gebeten, Sie aufzufordern, Stellung zu nehmen, wie die Zukunft der Einrichtungen und somit ihre Arbeitsplätze abgesichert sind. Wir fordern Sie auf, eine sachlich aussagekräftige Stellungnahme den Mitarbeitern zuzusenden, da diese zur Vorlage bei den Behörden, wie z.B. für die Anmeldungen bei der Agentur für Arbeit, dienen muss.
Da wir bis heute weder von der Inselbogen GmbH noch von der BIMA keinerlei Informationen über die Zeitschiene der eventuell geplanten verschlechterten Bedingungen für das Verbleiben unserer Einrichtungen bekommen haben, wenden wir uns Sie, da Sie als Entscheidungsträger Kenntnisse über die Zukunft der Museumsmeile Prora haben müssen.
Aussagen wie:
„Eintritt in die bestehenden Mietverhältnisse und deren grundsätzlicher Erhalt zu akzeptablen Konditionen“
helfen uns in der jetzigen Situation nicht weiter. Wir benötigen dringend Zusagen zur Sicherung unserer aus eigener Kraft aufgebauten Einrichtungen der Museumsmeile Prora.
Sie haben als Volksvertreter einen Beschluss gefasst, nun ist es Ihre Pflicht, Verantwortung für diesen Beschluss zu übernehmen. Sie werden sicherlich auch eine aussagekräftigere und verständlichere Begründung für die Zustimmung zum Verkauf unseres Museumsblockes dem Haushaltsausschuss vorgelegt haben als die Begründung im Schreiben an Herrn Dr. Wernicke vom 25.02.2005, welches zu allem Überfluss auch noch falsche Aussagen beinhaltet.
Es wird vermutet, dass Sie keinerlei konkrete Einwirkungsmöglichkeiten auf Herrn Meyer haben, dass wir uneingeschränkt dessen Eigentümerwillkür unterworfen sind. Es wäre beruhigend, wenn Sie diese Vermutung in glaubwürdiger Weise widersprechen könnten.
Eine baldige Antwort an die Mitarbeiter wäre wünschenswert. Als Anlage sind die Adressen der Mitarbeiter als Empfänger Ihrer Stellungnahme beigelegt.
Mit freundlichen Grüßen
Solveig Lindow
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Antwort ist bis dato nicht eingegangen !
Am 2. Januar 2006 hat unsere Einrichtung die Kündigung für die Räumlichkeiten des One World Camp Prora von der Inselbogen GmbH bekommen.