Als inselsässige Betreiberin des Jugendhotels One World Camp Prora und des Museums Planet DDR in der Museumsmeile Prora kann ich die Aussagen von Herrn Raymund Karg, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, so nicht stehen lassen. Ich bin eine von denen, die laut Herrn Karg die Kritik am Verkauf unseres Museumsblockes an die Inselbogen GmbH, Geschäftsführer Kurt Meyer (Hüllhorst/Westfalen), „schüren“, während sich angeblich „das Gros der Nutzer ... mit Herrn Meyer arrangiert“ habe. Wie soll das gehen, wo doch Herr Meyer gleich erst einmal 3 von 17 betroffenen Einrichtungen gekündigt bzw. teilgekündigt hat, ohne dass diese jemals eine Chance hatten, sich zu arrangieren. Den anderen Mietern lässt Herr Meyer über seinen Anwalt mitteilen: „Gespräche mit der Mietergemeinschaft wird es nicht geben“. Dies sind Verstöße Herrn Meyers gegen den Kaufvertrag, für dessen Einhaltung Herr Karg eigentlich zu sorgen hätte.
Doch der Gipfel der Unwahrheiten ist Herrn Kargs Behauptung, dass das One World Camp von Anfang an nur als Provisorium geplant gewesen sei. Im Frühjahr 2002 hatten wir den Mietantrag gestellt, um im Museumsblock eine internationale Jugendbegegnungsstätte aufzubauen. Herr Karg stimmte zu. Wir sanierten die Räume und Sanitäranlagen ohne einen Cent Fördergelder und unter Beachtung der strengen Brandschutzauflagen, Kosten ca. 250.000,- Euro. Im August 2002 eröffneten wir mit 60 Betten und 4 nicht geförderten Arbeitsplätzen. Die Unterzeichnung des Mietvertrages war fest zugesagt. Doch plötzlich, und zwar nachdem wir in die Sanierung investiert hatten, diktierte uns Herr Karg neue Konditionen: Mietvertrag entweder befristet auf drei Monate oder unbefristet mit vierteljähriger Kündigung – oder gar keinen Mietvertrag. Diesen von uns als Erpressung erlebten Wortbruch stellt Herr Karg jetzt als „vertraglich geregelt“ hin.
Damit nicht genug: Als wir im Frühjahr 2003 wegen der großen Gästenachfrage die Erweiterung auf die angrenzenden leerstehenden Räume beantragten, lehnte Herr Karg ab, ohne Bergründung. Auch anderen Mietern verwehrte Herr Karg, benötigte Räume zur Erweiterung der Einrichtungen anzumieten und instandzusetzen (allerdings ließ er schließlich doch die praktische Nutzung der benötigten Räume zu). Im Sommer 2003 wollten wir auf unsere Kosten die Dachkanten sanieren – Herr Karg verbot es. Meines Erachtens ist er der Hauptverantwortliche für die baulichen Mängel im Proraer Museumsblock.
Die Fehlentscheidungen von Herrn Karg wurden bisher von seinen Vorgesetzten gedeckt. Den Museumsblock konnte er so heimlich an die Inselbogen GmbH verkaufen, ohne dass er den Kaufantrag der Gemeinschaft der übrigen 17 Mieter auch nur verhandelte. Trotz Protest des Landkreises Rügen und warnender Stimmen aus den eigenen Reihen nickten dies die Bundestagsfraktionen von SPD, CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen ab – der Prora-Skandal.
Nicht nur wir, auch andere Mitglieder der Mietergemeinschaft sind seit Jahren bereit, die Verkehrssicherung vor Ort vorzunehmen, aber ohne Zukunftsperspektive ist das nicht möglich, und die ist zur Zeit ungewiss. Diese Tatsachen blendet der Beamte Herr Karg aus, um sich um die Antwort auf die drängende Frage zu drücken: Warum hat er der Inselbogen GmbH nicht einen der vier leerstehenden Prora-Blöcke verkauft, warum will er unbedingt unsere Museumsmeile und unsere Arbeitsplätze zerstören ?
Solveig Lindow, Putbus